Via alta della Verzasca - 3. Etappe von der Capanna d'Efra zur Capanna Cognora
Am Vormittag stieg ich in den Zug in Horw und fuhr via Rotkreuz-Bellinzona nach Tenero.
Von dort nahm ich das Postauto, welches mich nach Frasco, dem zweitletzten Dorf im Verzascatal, brachte.
Der Anstieg zur Capanna d'Efra führte durch das gleichnamige Tal. Ich folgte dem wilden Bergbach, welcher sich elegant durch
das Val d'Efra schlängelte. Im Gegensatz zur Alpennordseite hielt das Wetter im Tessin mit.
Ich erreichte die Capanna d'Efra nach rund drei Stunden. Alleine in der Hütte, veranstaltete ich auf den Granitplatten
eine Auslegeordnung, um meine Kleider zu trocknen. Etwas später trafen zwei Familien aus dem Tessin sowie eine Dreiergruppe
Deutscher Berggänger ein. Ich verstand mich auf Anhieb mit ihnen. Wir kochten am Herd auf dem Ofen und reduzierten so den
Gasverbrauch aufs Minimum. Ich plante zusammen mit den Deutschen Bergkameraden den morgigen Tag. Zwei der drei wollten
die berühmte "Via alta della Verzasca" fortsetzen, der andere musste morgen abreisen. Nachdem ich nun für diese Tour
nicht mehr alleine war, entschied ich mich auch für die Via alta della Verzasca.
Pizzo Cramosina -
Madom Gröss -
Pizzo di Mezzodì:
Der folgende Tag begann mit Ausschlafen. Wir starteten erst um 9.30 Uhr. Der
Aufstieg auf den Gipfel des Pizzo Cramosino (2718 m) war ohne grössere Schwierigkeiten zu meistern. Der starke Wind war
jedoch unangenehm. Ich hatte grossen Respekt bei diesen böenartigen Winden. Mit einem bisschen
Adrenalin im Körper liefen wir der ersten Schlüsselstelle entgegen: Abstieg des Pizzo Cramosinos. Es musste ein rund 20 m hoher
Felsabschnitt herabgeklettert werden. Trotz den notwendigen Eisengriffen musste grösste Vorsicht geboten werden.
Der anschliessende Gegenanstieg auf den Gipfel des Madom Gröss (2741 m) machte hungrig. Der
Mittagsrast war fällig. Gestärkt nahmen wir anschliessend den heiklen Abstieg in Angriff: Die Schlüsselstelle der Tour lag
nun vor uns. Stetiges
Herabklettern in zum Teil schwierigen Gelände. Rund eine Stunde lang war volle Konzentration angesagt. Dank den
Eisengriffen konnte die Tour gut gemeistert werden, ist aber auch damit noch ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen. Nach zwei kürzeren
Gegenanstiegen waren wir froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Der Bergweg führte uns nun auf den
Gipfel des Pizzo die Mezzodì (2708 m). Nach der längeren Pause drängte die Zeit. Nach dem ersten Teil
des Abstiegs verabschiedete ich mich von meinen beiden Gefährten, welche in der Capanna Cognora übernachteten und bedankte mich für die nette Begleitung.
Der Abstieg herunter ins Verzascatal schaffte ich in Rekordzeit. Nach einem 20 minütigem Marsch nach Sonogno erreichte ich um 18.30 Uhr das letzte Postauto
in allerletzter Minute. Nach dieser fantastischen Tour hat mich die Tessiner Bergwelt wieder einmal mehr fasziniert.