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Mittelhorn (BE, 3703m)
Bild: Rosen-, Mittel- und Wetterhorn vom Gipfel des Dossen aus



Unser Plan für unsere dreitägige Tour sah einmal wie folgt aus: 1. Tag Anreise zur Glecksteinhütte, 2. Tag Aufstieg zum Wetterhorn über das Willsgrätli und Abstieg zur Dossenhütte und 3. Tag gemütlicher Abstieg von der Dossenhütte. Dieser sehr gut ausstudierte Plan wurde aber über den Haufen geworden, ehr wir die Glecksteinhütte erreichten. Durch den kurzzeitigen Wintereinbruch sah der Aufstieg zum Wetterhorn über das Willsgrätli sehr ausladend aus. So blieben wir letztendlich zwei Nächte statt nur eine Nacht in der Glecksteinhütte mit der Hoffnung die Schneeschmelze würde durch die heissen Sommertage sehr schnell vorangehen und wir könnten so am 3. Tag die Etappe 2 und 3 zusammenfassen. Als dann aber die Schneeschmelze doch nicht so schnell wie erhofft voranging, schmiedeten wir dann einen neuen Plan: Aufstieg via unterer Beesibärgliweg über den Oberen Grindelwaldgletscher und duch das Südcouloir zum Gipfel des Mittelhorns.
Um 4 Uhr morgens startete dann unser Abenteuer. Mit Stirnlampe stiegen über den ausgesetzten weiss-blau-weissen unteren Beesibärgli-Weg zum Einstieg des Oberen Grindelwaldgletschers. Der Gletscher war super eingeschneit und die gefrorene Unterlage ermöglichte uns ein flottes Vorankommen bis wir den Fuss des steilen Südcouloirs erreichten. Von da an war es Schluss mit dem zügigen Tempo. Durch die anspruchsvolle Schneebeschaffenheit sicherten wir das ca. 200 m hohe Couloir Seillänge für Seillänge durch und kamen so nicht mehr vom Fleck. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den Grat östlich des Gipfels des Mittelhorns. Die Überschreitung des Gipfels mit Abstieg über den Westgrat (WS) war dann wieder relativ einfach. Es war schon Mittag und wir mussten uns wegen der Erwärmung beeilen. Leider blieb uns so auch einen gemütlichen Mittagsrast verwehrt. Vor uns stand noch die lange Gletscherdurchquerung des Rosenlauigletscher und der Aufstieg zum Dossensattel. Zu unserem Entsetzen gab es noch keine einzige Spur, so dass wir alles selber spuren durften. Um 16 Uhr erreichten wir dann langsam etwas müde und erleichtert den Dossensattel und 10 min später die Dossenhütte. Etwa eine Stunde lang stärkten wir uns bei der Hütte. Denn der Hüttenabstieg (T4) erfordert nochmals volle Konzentration. Kurz nach 19 Uhr erreichten wir nach insgesamt 14-stündigem Abenteuer wieder das Auto beim Parkplatz Rosenlaui. Schwierigkeit: WS, Südcouloir ZS(+).
18.07.2016