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Cotopaxi (Ecuador, 5897m)
Bild: Foto von Andrej Gerber



Drei Wochen besuchte ich eine Sprachschule in Quito, um mein Spanisch zu verbessern. Ich nutzte die Wochenenden, um mich für den Cotopaxi vorzubereiten. Am ersten Wochenende stieg ich alleine auf den Rucu Pichincha, 4698 m hoch (T4) und am zweiten mit einem Bergführer auf den Illiniza Norte, 5117 m (T5 oder WS-). Bei der Besteigung des Illiniza Nortes übernachteten wir auf einer Höhe von 4700 m. Dort hämmerte mir der Kopf wegen der Höhe schön stark, aber zum Glück nur während der Nacht.

Nun kam der Tag X. Mit dem Bergführer Ramiro Donozo und gleichzeitig Inhaber vom Ecuadorian Alpine Institute in Quito wollte ich mir diesen Traum erfüllen. Er holte mich am Vortag vor seinem Büro ab. Mit einem antiken Gefährt fuhren wir in den Cotopaxi Nationalpark hinein und weiter zum Ausgangspunkt für den kurzen Aufstieg zum Refugio José Ribas auf 4800 m. Mit weiteren Cotopaxiaspiranten genoss ich die traumhaft schöne Abendstimmung. Da um Mitternacht schon wieder Frühstück und 01.00 Uhr Abmarsch angesagt war, sind wir schon gegen 18 Uhr liegen gegangen. Einige Leute waren sehr unruhig, so dass die meiste Zeit nicht geschlafen werden konnte. Ich konnte es daher kaum erwarten, wieder aufzustehen. Mit der Stirnlampe ging es tatsächlich um 01.00 Uhr los. Wir waren eines der letzten gestarteten Teams, da viele andere Teams bereits eine halbe Stunde früher aufgestanden und losgezogen waren. Es führt ein guter Pfad bis an den Gletscherrand auf ca. 5100 m. Dort wird in der Regel angeseilt. Normalerweise wenn der Gletscher in gutem Zustand ist, wird über diesen direkt aufgestiegen. Wir jedoch mussten über ein weiteres Geröllfeld nach rechts queren und steil zwischen zweitem Gletscher und Fels aufsteigen. Die meisten taten dies auch so. Inzwischen hatten wir die anderen Seilschaften wieder eingeholt. Da auch in dieser Alternativroute die Route wegen den Gletscherabbrüchen nicht einfach zu finden war, waren sich die Bergführer untereinander nicht einig, welches die beste Route sei. Mein Bergführer meinte, dass die Varianten anderer Bergführer nicht sicher vor Eislawinen seien. Nach anhaltenden Diskussionen beruhigte sich das Ganze dann wieder und jeder fand für sich die beste Variante. Ganz ohne Grund waren die Diskussionen nicht, da eine Woche später eine Touristin durch einen herunterdonnernden riesigen Eisblock getötet wurde. Im Zickzackkurs durch die imposanten Gletscherspalten und an Eiswänden vorbei erreichten wir in den frühen Morgenstunden die Gipfelpassage. Diese war nochmals steil wie bereits die meisten Stellen vorher. Ab 5600 m merkte ich die Höhe sehr. Es fühlte sich an als hätte ich etwas viel Alkohol getrunken. Ich musste mich sehr auf das Steigeisengehen konzentrieren. Allen anderen, die es bis hier geschafft haben, erging es auch so. Zum Teil schleppten die Bergführer ihre Gäste regelrecht auf den Gipfel hoch. Mir erging es dank den vorgängigen Akklimatisationstouren den Umständen entsprechend recht gut. Punkt halb 7 kamen wir auf dem Gipfel an. Leider hätte das Wetter etwas besser sein können. Es schneite, war bitterkalt und die Sicht war gleich Null. Nichts desto trotz freuten wir uns alle sehr auf den Gipfelerfolg. Es war ein emotionaler Moment. Wir genossen diesen und gratulierten uns gegenseitig. Der Abstieg hatte es dann noch in sich. Erst beim Abstieg kriegte ich Kopfschmerzen. Zurück in der Hütte erholte ich mich bei Kaffee und anderem Getränk. Ramiro brachte mich dann wieder sicher nach Quito zurück. Ich war sehr glücklich über das erreichte Gipfelziel. Leider konnte ich keine eigene Fotos vom Cotopaxi hochladen, da ich in Quito im Hotelzimmer ausgeraubt wurde und meine Kamera mit den Fotos abhanden gekommen waren. Schwierigkeit: WS+.
26.05.2013