Piz Buin Grond

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Piz Buin Grond (GR/A, 3312m)



Das Osterwochenende sollte wieder ein Jahreshighlight werden. Die Wettervorhersage war jedoch unsicher. Gemäss Wetterprophet sollte der Karfreitag schön werden und am Samstag sollte das Wetter umschlagen, respektive der Föhn zusammenbrechen. Der angesagte kräftige Föhn liess uns offen, für welchen Berg wir uns letztendlich entschliessen werden.

Die Tour: Wir fahren mit dem PW am Freitagmorgen nach Klosters und lassen diesen über die Tourentage dort stehen. Mit dem Zug und Postauto fahren wir weiter nach Guarda, ein wunderschönes malerisches Dorf. Wir tauchen unter in eine andere Welt. Mit den Skiern auf dem Buckel machen wir zuerst einen Dorfrundgang, bevor wir die Skitour starten. Es hat gerade noch genug Schnee, um bereits beim Dorf die Skier anschnallen zu können. Wir nehmen es gemütlich und laufen das ganze, landschaftlich interessante Val Tuoi ab. Irgendwann Mitte Nachmittag erreichen wir die Chamanna Tuoi auf 2250 m. Wir deponieren unsere Sachen und geniessen bei Kaffee und Kuchen die letzten Sonnenstunden auf der Hüttenterrasse. Während dem Nachtessen und danach haben wir verschiedene nette Leute um uns und wir lachen den ganzen Abend zusammen. Fast haben wir vergessen, dass wir morgen eine Tour durchführen werden. Für die Tour haben wir uns bereits vor dem Nachtessen entschieden: Der Piz Buin Grond.

Nicht allzu früh ist Tagwache und eine Stunde später stehen wir bereit zum Loslaufen. Gleich geht es richtig los und ein paar Spitzkehren werden gefordert, ehe es flach zum Plan Rai geht. Wir sind schnell unterwegs, eigentlich die ersten. Hinter uns folgen dutzende von Tourengängern, die alle den Piz Buin als heutiges Tourenziel haben. Beim Plan Mezdi auf 2853 m legen wir die erste richtige Pause ein. Wir marschieren weiter zum Fuorcla dal Cunfin und erreichen die Österreichisch-Schweizerische Landesgrenze. Ich habe erwartet, dass wir dort auf dutzende von Tourengängern stossen werden, die von der Wiesbadner Hütte her aufsteigen. Aber keine Menschenseele ist anzutreffen. Aber wie sich später herausstellt, werden alle noch kommen :-) Ausser die zwei einzigen Tourengänger, die uns bisher überholt haben, sind wir noch alleine im Kessel des Ochsentaler Gletschers unterwegs. Wir erreichen nun das Skidepot wo wir die Felle abmontieren, etwas essen und die Steigeisen montieren. Mit dem Pickel als Fortbewegungsmittel machen wir uns zu Fuss auf die letzten etwas mehr als 100 Höhenmeter bis zum Gipfel. Das Seil lassen wir im Rucksack. Aber wir haben es dabei und können es jederzeit hervornehmen. Bald kommt die erste Schlüsselstelle, eine enge Rinne. Den Pickel können wir gut auf den Schnee mit Eisunterlage reinhauen und uns daran hochziehen. Es folgt die zweite Schlüsselstelle, nochmals ein kleines Kamin. Dieses können wir stufenweise hochklettern (II). Nun wird es offener und die Gipfelfläche macht sich sichtbar. Wir waren nun vom stärker werdenden Föhnsturm nicht mehr geschützt. Wir müssen uns die Arme vor den Augen halten, da uns stetig fliegende Eiskristalle ans Gesicht prallen. Wir erreichen den Gipfel und erfreuen uns an diesem Moment - trotz Kälte und Wind. Ein grossartiger Moment und ein Traum, der für mich in Erfüllung geht! Die Aussicht ist noch gut, aber die Schlechtwetterwolken kommen langsam zu uns. Wir machen uns wieder auf den Abstieg. Von unten vom Skidepot her kommen uns ca. 100 Tourengänger entgegen. Wir müssen uns beeilen, damit wir nicht lange im Stau stehen müssen. Für den Abstieg benutzen wir für die Schlüsselstellen das Seil und lassen uns daran herunter. Gleich als wir unten ankommen, kommt eine riesige Menschenschlange hoch. Die ersten müssen noch auf uns warten, aber zum Glück nicht lange. Aber wegen den Massen kommt es ihrerseits zu einem grossen Stau. Ich habe Mitleid mit den wartenden Tourengängern, da das Wetter inzwischen schlechter geworden und der Wind kaum zum Aushalten geworden ist. Ob alle noch auf den Piz Buin hochgestiegen sind, weiss ich nicht. Wegen des herrschenden Windes machen wir keine lange Pause und fahren das steile Couloir von der Fuorcla Buin hinunter direkt zur Chamanna Tuoi. Wir bleiben dort noch eine Nacht und geniessen die Hüttenstimmung.

Lernstunde: Es war ein Fehler, das vom Fuorcla Buin runter führende Couloir zu befahren, da dieses erheblich mit Triebschnee gefüllt war. Nächstes Mal werde ich mich nicht mehr von zwei vorausfahrenden Tourengängern beeinflussen lassen. Schwierigkeit: Ski: S- (Couloir), Hochtour: WS (II).
03.04.2010