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Wetterhorn (BE, 3692m)
Bild: Aussicht vom Wetterhorn



Was für eine Tour!! Diesmal aber nicht im positiven, sondern im negativen Sinne. Es brauchte eine Weile Zeit, bis ich die Tour Revue passieren konnte. Es war der erste Tag unserer Tourenwoche von Urs und mir. Wir starteten in Grindelwald und liefen den traumhaften Weg hoch zur Glecksteinhütte. Etwas früher als sonst legten wir uns schlafen. Die Nacht war jedoch ein Alptraum, da in unseren Schlägen eine Schulklasse junger Mädchen und Knaben weilten. Trotz Warnungen des Hüttenwarts war bis nach Mitternacht die Hölle los. Vielleicht gut eine Stunde geschlafen, war um 4 Uhr Tagwache. Ich kannte den Aufstieg mehr oder weniger, da ich vor ein paar Jahren auf dem selben Aufstieg das Wetterhorn besucht hatte. Wie sich herausstellte, habe ich mir das etwas auf die zu leichte Schulter genommen. Während der Aufstieg noch recht flott ging und wir nach knapp 5 Stunden auf dem Gipfel standen, verstiegen wir uns auf dem (selben) Abstieg folgeschwer. Von oben war auf einmal alles nicht mehr so logisch wie beim Aufstieg. Entscheidend war an diesem Tag auch, dass ich viel zu wenig Getränk mit dabei gehabt habe. In dieser steinigen Gegend war es sehr trocken. Ich war beim Abstieg komplett ausgetrocknet und die Leistung sank markant ab. Nicht nur mir erging es so. Wir waren so alles andere als schnell unterwegs. Der fatalste Entscheid kam aber in der unteren Häfte des Abstiegs. Während wir am unteren Ende des Willsgrätli ankamen, wären wir auf dem richtigen Grat gewesen, um zurück auf den Chrinnengletscher zu gelangen. Aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass wir falsch sein würden und dass der benachbarte Grat unsere Abstiegsroute zum Gletscher sein müsste. Dies entschied uns, umzukehren und alles wieder hochzuklettern! Nachdem wir den vermeintlich richtigen Grat herunterkletterten, gelangten wir in eine Sackgasse. Dann erkannten wir endlich, dass wir vor längerer Zeit auf dem richtigen Grat gestanden hatten und es nicht mehr weit auf den Abstieg zum Gletscher gewesen wäre! Unglaublich, aber wahr. Alles hochzusteigen hätte zeitlich nicht mehr gereicht, um den Gletscher bei Tageslicht zu erreichen. Wie kamen wir aber wieder zum richtigen Grat rüber? Der Fels war hier total brüchig. Der Vorabend brach herein und bekanntlich wird es im Herbst bereits früher dunkel. Was machen wir, war nun die grosse Frage? Die Rega fliegt nur bei Tageslicht. Diese Option wollte ich aber noch gar nicht in Betracht ziehen. Die Nacht hier zu verbringen, konnte ich mir ohne einen Schluck Wasser auch nicht vorstellen. Seit Stunden habe ich nämlich nichts mehr getrunken. Wir entschieden uns, die Glecksteinhütte anzurufen, um uns einen Tipp zu holen, ob und wo wir die Flanke zum richtigen Grat queren konnten. Glücklicherweise konnte uns das nette Hüttenteam dabei helfen und sagen, dass wir nur etwa 20 Höhenmeter aufsteigen müssten, um die Flanke vermutlich queren zu können. In senkrechtem absolut brüchigem Gelände haben wir dann für die Querung etwas den Schutzengel beansprucht. Mehr als einmal hatte ich den Stein in der Hand, wo ich mich kurz mit vollem Gewicht hielt. Da wir jeden Meter erkämpfen mussten, verloren wir den Wettkampf gegen die Zeit. Nach Beanspruchung der Nerven erreichten wir letztendlich bei Anbruch der Dunkelheit den Gletscher. Bei Dunkelheit mussten wir nun den Gletscher absteigen. Dies ging dann gut. Zweimal habe ich zusätzlich eine Eisschraube gesetzt. Nach einer langen Pause nahmen wir mit absolut letzten Kräften den Abstieg zur Glecksteinhütte in Angriff, wo sich die Hüttencrew und Hüttengäste bereits schlafen gelegt haben. Eine Suppe mit Brot und geräucherten Würsten wurde uns hingestellt. Tausend Dank dafür! Was für eine Tour, die ich niemals vergessen werde und bei der ich viel gelernt habe: Vor allem, dass ich den Auf- und Abstieg genau studieren sollte, auch wenn ich das Gefühl habe, ihn gut zu kennen! Schwierigkeit: ZS-.
08.09.2009