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Krönten (UR, 3108m)



Geniale Hochtour über den abwechslungsreichen Ostgrat des Krönten:

Lange war es unsicher, ob wir wegen der unstabilen Wetterlage etwas hochtourenmässiges unternehmen können. Wir hatten zuerst für dieses Wochenende in der Dossenhütte reserviert gehabt. Wegen vorhergesagten Schauern und Gewittern den ganzen Tag hindurch verzichteten wir am Samstag auf den Hüttenaufstieg zur Dossenhütte. Wir reservierten neu für die Kröntenhütte (Es war die 3. angerufene Hütte, die noch nicht ausgebucht war). Der Samstag war wie erwartet nicht speziell gut, aber Gewitter hatten wir zum Glück keine erlebt. So konnten wir gemütlich den Aufstieg zur Kröntenhütte unter die Füsse nehmen. Überall schmückten grosse Felder von frisch blütenden Alpenrosen den Weg! Der Ausgangspunkt war übrigens Bodenberg, wo uns das Alpentaxi zusammen mit der SAC Gruppe aus Basel hinbrachte. Bereits gegen 13 Uhr waren wir in der Hütte und durften in der urgemütlichen Hüttenstube der Basler SAC-Gruppe Gesellschaft leisten. Vielen Dank nochmals dafür! Dies verkürzte den Nachmittag erheblich. Am späteren Nachmittag konnten wir noch ganz kurz bei den Hüttenfelsen bouldern und klettern . Das Essen war wie bisher noch nie anders in der Kröntenhütte erlebt, hervorragend! Unsere Plan für morgen war ursprünglich nicht der Ostgrat des Kröntens gewesen. Ein Mitglied des SAC Huttwil kannte meinen Tourenkollegen gut, der uns gleich für diese Tour "gluschtig" machte. Der Hüttenwart gab uns dazu noch ein paar wertvolle Infos. Alles in allem glaubten wir noch nicht so recht an diese Tour. Es hing alles davon ab, ob das Wetter nach dem heutigen verhangenen Tag morgen wieder gut sein würde.

Aufstehen um 4 Uhr morgens. Ich hätte locker noch ein paar Stunden schlafen können. Ich traute aber meinen Augen nicht als ich einen Blick nach Draussen warf: Sternenhimmel! Motiviert fing der Tag mit dem reichhaltigen Frühstück an. Nachdem die erste grosse Menge von der Hütte verschwand, machten wir uns bereit für unsere Tour. Die SAC-Gruppe Huttwil startete vor uns und blieb es auch immer :) Bis zum Einstieg zur Lücke konnte man eigentlich nicht viel falsch machen. Viel mehr konnten wir die einzigartige Landschaft mit ihren mächtigen Felsen bewundern. Der letzte Firnteil ist zwar steil, aber bei Trittschnee sehr gut machbar. Bei der Lücke folgte die längere Kletterei über den Ostgrat, der über den "Chli Krönten" führt. Danach folgt der Abstieg (grösstenteils auch auf dem Grat) runter zum Gletscher, wo wieder steil aufgestiegen und unter den Felsen des Kröntens zum Westgrat (Normalroute) gequert wird. Auf der Normalweg gelangt man schliesslich zum berühmten Turm. Durch den Riss versuchte (!) ich auf diesen zu klettern, blieb aber natürlich mit dem Rucksack stecken. Ich zog dann während dem Klettern meinen Rucksack ab und steckte ihn in den Riss, um ihn nachher wieder rauszuziehen. Nachher schaffte ich es dann durch den Riss hindurch. Urs machte dann das gleiche nach, aber viel schlauer (ohne Rucksack). Zusammen mit der SAC-Gruppe standen wir auf dem Turm des Kröntens. 7 Stunden waren seit loswandern von der Hütte vergangen. Uns Zeit lassend stiegen wir auf der Normalroute über Schieferplatten und Geröll zum Gletscher, den wir dann auch rasch hinter uns hatten. Vor lauter "Runterskifahren" auf den Firnfeldern versuchten wir, links oder rechts an den Bändern vorbei auf direktem Weg zum Hochplateau vor der Kröntenhütte zu gelangen. Dieses Vorhaben misslingte und wir hatten die Ehre nochmals aufzusteigen. Selber Schuld habe ich mir dabei gedacht. In der Hütte kam ich halbverdurstet an. 1 1/2 Liter Flüssigkeit war für diese Tour zu wenig. Ich musste mit Bier und Mineral mein Defizit wieder abbauen. Ich wäre hier noch gerne geblieben, aber der Abstieg ins Tal wollten wir heute noch bei christlicher Zeit hinter uns bringen. Wieder zu Hause war ich sehr müde, aber glücklich über unsere erfolgreich durchgeführte Tour!

Erkenntnisse zum Ostgrat: Die Tour ist wegen der Länge und der anhaltenden Kletterei im 3. Grad (Schlüsselstellen 3+) ernst zu nehmen. Vor allem bei einem Wetterumschwung kann es schwierig werden, einen Rückzieher zu vollziehen. Für den Einstieg zum Krönten Ostgrat wählt man am besten gleich den Anfang des Grates (dort wo der Firn flach wird), Ab ca. 3-4 Höhenmeter ab Boden folgt ein Bohrhaken. Uns wurde es sehr einfach gemacht, da die SAC Gruppe vor uns die Kletterei begann. Ansonsten ist die Routenfindung bei etwas alpiner Gratklettererfahrung nicht schwierig. Man hält sich immer an den Grat. Türmchen, die sich einem in den Weg stellen, können sehr gut umgangen werden (zum Teil ein paar Meter unterhalb des Grates). Die zwei Firnabschnitte sind relativ steil und hängen stark von den Schneeverhältnissen ab. Bei Trittschnee sind sie kein Problem, bei Blankeis können sie anspruchsvoll werden.

Hinweis: Die Erkenntnisse sind meine persönlichen Empfindungen wie ich sie an diesem Tag erlebt habe und kann natürlich von anderen Beurteilungen abweichen. Schwierigkeit: ZS- (III).
28.06.2009